Mauersegler (Apus apus) Handaufzucht

 In den Sommerferien 2004 wurde die Vereinsleitung des Musikkorps Rendsburg unfreiwillig Pflegefamilie für einen Wildvogel
besonderer Art, der
zu den besonders geschützten Arten gehört, besonders fachgerecht gepflegt werden muss und in Bezug auf
ausreichend Nistmöglichkeite das Wohlwollen von Hausbesitzern und Häuslebauern braucht.
Lesen Sie unseren
Erfahrungsbericht und besuchen Sie auch die Seiten von Fachleuten, die sich mit Naturschutz und der Problematik bei der
Aufzucht von Mauerseglern befassen. Wenn wir uns über solche Seiten nicht informiert und und stattdessen auf die
Anweisungen des Tierarztes verlassen hätten, wäre unser Zögling zu Schaden oder gar zu Tode gekommen, obwohl wir ihn auf
unsere Weise liebevoll gepflegt hätten. 

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Beachten Sie unsere Rechtshinweise

Diese Links zum Thema

finden Sie am Ende unseres Berichtes nochmal.
die Rechtshinweise auf unserer Startseite. 

Deutsche Mauerseglergesellschaft e. V.

Naturschutzbund - NABU 

Fachkundige Hilfe zur Aufzucht von Wildvögeln- www.wildvogelhilfe.org 

Forschungsprojekt - Webcam im Nistkasten am Naturkundemuseum Berlin

Interessante Privatseite von Martin Grund zum Thema Mauersegler und Nisthilfen 


 

Sommerferien 2004
Jugendsprecherinnen und Ausbilderinnen vom Musikkorps Rendsburg retten Mauersegler

Auch privat kommen unsere Jugendsprecherinnen, Saskia und Jasmin, regelmäßig zusammen um gemeinsam zu musizieren, durch die Stadt zu turnen, abzuhängen oder die Natur an der Untereider zu genießen. Bei einer Ihrer Unternehmungen stolperten sie am 19.07.2004 auf der Straße fast über ein hilflos auf sie zukrabbelndes Vogelküken. Es kam zielstrebig auf sie zu, und die beiden hatten das Gefühl, dass es sie um Hilfe anbettelte. Sie trauten sich nicht es anzufassen; aber glücklicherweise kam ein Passant vorbei, und half ihnen beim Einsammeln. Jasmin organisierte auf die Schnelle einen Karton und der Mann setzte den Vogel hinein, damit die Mädchen sich auf den Weg zum Tierarzt machen konnten.



Dort erfuhren sie, dass es sich um einen jungen Mauersegler handelte; der zwar voll Ungeziefer saß, die ihm lt. Aussage des Arztes auffressen würden. U. a. waren es eklige grüne und mit einem herzförmigen Körper ausgestatteten Lausfliegen. Der Tierarzt stellte fest, dass der Kleine gutgenährt und -gefiedert,  putzmunter und fast flugreif war. Schmunzelnd meinte er:  "Tragt ihn als Brosche, füttert ihn zwei Tage mit Mehlwürmern, und werft ihn dann hoch in die Freiheit." Das war aber ein verdammt schlechter Rat, der dem Mauersegler nicht gut bekommen wäre. Aus zwei Tagen sollten nämlich zwei Wochen werden, in denen der Vogel seiner Natur entsprechend gar nicht fliegen konnte, weil die Schwungfedern noch nicht fertig gebildet waren. Wir entschuldigen das; denn auch ein Tierarzt kann nicht alles wissen. Wir werden ihm mal ein paar Informationen über Mauersegler zukommen lassen, damit sich solche Fehlinformation nicht wiederholt.


Stolze Vogelmamis

Nach dem Besuch beim Tierarzt kamen Saskia und Jasmin mit dem Mauersegler im Karton direkt zu mir (Tina); denn beide mochten das zerbrechliche und am Boden kauernde Baby immer noch nicht anfassen.  Ich wusste im ersten Moment aber auch überhaupt nicht, was zu tun war. Dann fiel mir ein, dass wir noch einen alten Vogelkäfig hatten und dass wir den kleinen Mauersegler darin gut sichtbar erstmal auf Streu und Heu betten konnten, was wir als Zwergkaninchenhalter im Haus hatten. Gesagt getan: Die Mädchen holten und reinigten den Käfig und bauten das Nest am Boden. Ich griff den Mauersegler vorsichtig und setzte ihn hinein. Er legte sich auch gleich tief ins Heu und wir stellten ihn raus auf unseren Balkon.

 

Aber - was sollte der Kleine jetzt bloß fressen? Wir wussten ja nicht, ob er vielleicht ausgehungert war und wohlmöglich sterben würde. Mehlwürmer hatten wir natürlich nicht im Haus. Wir bezweifelten sehr, dass dem Mauersegler mit seinem "falkenähnlichen" Kopf die Körner von unserem Wellensittich oder das Kanickelfutter gut bekommen würde. Schließlich saust ein Mauersegler durch die Luft und jagt - ähnlich wie die Schwalben - Insekten bzw. das noch viel winzigere Luftplankton.


Die Berührungsängste verloren Saskia und Jasmin nach kurzer Zeit

Dann kam mir die zündende Idee mal im Internet nachzuschauen, und ich suchte in der Google-Suche nach Begriffen wie "Mauersegler", "Wildvogel", "Aufzucht" etc.. Saskia kam auf die Idee einen "starken" Mann in den Keller zu schicken, um Spinnen und anderes Viehzeug zu fangen Hansi gefiel es nicht; aber er ließ sich überreden - *grins* - für was man einen Papi, Ehemann und Vereinsvorsitzenden nicht alles gebrauchen kann. Beide Ideen wurden also prompt verwirklicht. Während ich ausnahmsweise mal nicht in Sachen Musikverein im Internet surfte, erlegte Hansi im Keller die Ungeziefer. 

Als er damit zurück kam, ging es los: Ich nahm den Mauersegler in die Hand und bot ihm eine Spinne an. Aber Pustekuchen, der Kleine hustete mir etwas - sein Schnabel blieb geschlossen. Nach dem Füttern surften wir weiter durch das Internet und wurden fündig auf den Seiten
www.wildvogelhilfe.org , auf denen man in Schrift und Bildern etwas über Notfallfutter für Wildvögel erfährt und die Art und Weise, wie man es verfüttert. Eier hatten wir im Haus und Fliegen konnten wir auf die Schnelle fangen.  Ein Mauersegler ist allerdings etwas ganz besonderes und verhält sich in vielen Bereichen und auch beim Füttern anders als andere Vögel. 
 

Wir lasen auf den Seiten, dass Mauersegler grundsätzlich nicht freiwillig den Schnabel aufsperren, und dass man sehr vorsichtig beim Füttern sein muss. Viele Mauersegler leiden Höllenqualen, weil ihnen bei der Fütterung leicht der sehr weiche Schnabel gebrochen werden kann. Es war ein Krampf die Spinne aus den Fingern loszuwerden und ich ekelte mich gehörig daver. Aber nach einigen Minuten und etlichen Versuchen sollte es klappen.

Es kostete mich aber ganz schön Überwindung das zerbrechlich wirkende Mauerseglerbaby in der Hand zu festzuhalten und zum Öffnen des Schnabels zu zwingen, während irgendwo auch noch die Spinne dazwischen war. Ganz vorsichtig schob ich meinen Daumennagel von der Seite zwischen die Schnabelhälften. Der weiche Schnabel musste nunmal leicht geöffnet werden, damit ich beim gänzlichen Aufsperren des Schnabels durch den Vogel schnell den Daumennagel mit dem Zeigefinger der anderen Hand ersetzen konnte um den Schnabel weit geöffnet zu halten und die Spinne in den Schlund zu stecken. Für diese Art der Fütterung hätte ich gut und gern eine dritte Hand gebrauchen können. Der Kleine tat mir ziemlich Leid; denn es sollten einige Fehlversuche werden. 

Als der Mauersegler dann plötzlich zupackte und fast mein ganzes erstes Zeigefingerglied in seinen roten Schlund zog, wurde mir anders. Aber ich überwand mich und hielt still, verfütterte die Spinne. Es folgten ein paar Fliegen und hartgekochtes Eigelb. Glücklicherweise klappte das Füttern mit jedem Häppchen etwas besser. Als der Vogel nicht mehr fressen wollte, kraulte ich dem Kleinen das Kinn, was er sichtlich genoss. Er streckte es mir bereitwillig entgegen.

Saskia und Jasmin versuchten erst ihr Glück beim Füttern erst später .
 
 

20. Juli 2004
Unser Mauersegler war quietschfidel. Zwar verhielt er sich ruhig und stand sichtlich etwas unter Stress; was man daran sah, dass er die Augen schloss und sich im Nest eingrub; aber in der Morgendämmerung hörten wir ihn deutlich piepsen. Als wir ihn abdeckten, hockte er hochkant an den unteren Käfigstreben.

Ich machte mich nochmal auf ins Internet; denn ich hatte ja am Vortag schon gelesen, dass so eine Mauersegleraufzucht sehr kompliziert ist und eigentlich in die Hände von Fachkräften gehört. Bei fast allen Anleitungen für Wildvögel stand: Einzige Ausnahme - der Mauersegler. Beim Durchstöbern bekam ich einen gehörigen Schrecken; denn ein Käfig ist für einen Mauersegler absolut ungeeignet, weil der Vogel darin sein Gefieder beschädigen kann, wenn er die langen Flügel für sein Leben in der Luft trainiert. Nur gut, dass wir entsprechende Webseiten fanden, sonst hätten wir einiges verkehrt gemacht und den Kleinen vielleicht durch unsachgemäß zu Tode gepflegt.

Wir holten den Karton wieder vor und legten ihn wie beschrieben mit mehreren Lagen Küchenrolle aus. Um die Behausung besonders schön zu gestalten, bauten wir auch eine Kletterrampe hinein, die ebenfalls aus einem Karton bestand, der wie beschrieben mit einem Handtuch überspannt wurde. Als Liegestätte gaben wir wieder etwas Heu dazu, welches wir kreisförmig zu einem kleine Nest formten. Wie wir erst später erfuhren, war letzteres zwar nicht schädlich aber überflüssig und erschwert nur die Sauberhaltung des Kartongs. Also ließen wir es weg.

Der Mauersegler fühlte sich in der neuen Behausung sichtlich wohler. Er nutzte das Quartier ausgiebig, kletterte darin herum und setzte sich hochkant an die Rampe, um Flugübungen zu machen. Gut war allerdings, dass ich ihn im Auge behielt; denn die Kletterrampe hätte ebenfalls Schaden anrichten können, weil ich sie nicht genügend gesichert hatte. Der Mauersegler wollte sich scheinbar ins Dunkle verstecken und quetschte sich - für sein Federkleid nicht gerade förderlich - in eine Spalte zwischen Rampe und Karton. Als ich es sah, klebte ich, so gut es ging den kleineren Karton mit breitem Klebeband an die Kartonwände der Behausung und stopfte sämtliche Löcher und Spalten fest mit Küchenrolle aus, damit sie nicht mehr zur Fallgrube werden konnten.

 

21.07.2004
Am zweiten Tag verhielt sich unser Mauersegler munter. Er flatterte und piepste soviel im Karton herum, dass ich dachte ihn in die Freiheit entlassen zu können. Aber lt. Internetseiten sollte man einen Mauersegler keineswegs einfach in die Luft werfen, sondern geduldig warten, bis er von selbst fliegt.
Die Freilassung war Saskias und Jasmins Aufgabe: Sie nahmen den Mauersegler in die Hand und gingen mit ihm auf unseren großen Rasen vor dem Haus. Über eine Viertelstunde wurde der Vogel auf ausgestreckter Hand in die Luft gehalten. Aber der wollte nicht partout nicht in die Freiheit, sondern klammerte sich ganz flach auf der Hand fest. Seine Umgebung interessierte ihn keineswegs. Er schloss seine Augen und stellte sich tot.


Also nahmen wir ihn wieder mit hinein.

Zur Information: Ohne fertig ausgebildete Schwungfedern kann kein Vogel fliegen und ein freilebender und in der Höhe aufwachsender Mauersegler kann sich logischerweise im normalen Leben erst dann ins Leben stürzen, wenn er auch imstande ist allein zu fliegen und zurechtzukommen. Er muss von einer Minute zur anderen plötzlich selbst Insekten fangen, kurz nach dem Flüggewerden in den Süden ziehen und ca. 90 % seines Lebens ausschließlich in den Lüften verbringen. Im Gegensatz zu den meisten Vögeln, die überall Zuflucht bei Regen suchen können, müssen Mauersegler vor Schlechtwetterfronten ausweichen und dadurch viele Extrakilometer fliegen. Daher muss ein Mauerseglerjunges sich - bevor es ausfliegen kann - selbst stark genug fühlen. Wenn es nicht freiwillig ins Freie springt, fehlt ihm noch etwas für sein eigenständiges Leben in der Luft.

Obwohl unser Mauersegler quietschfidel war, hatte ich, nach all den Ecken und Kanten, die bei der Aufzucht eines Mauerseglers zu beachten sind, sehr große Bedenken, dass wir trotz unserer Internetrecherchen verkehrt handeln und den Vogel gefährden könnten. Mir war der Gedanke lieber, den Vogel in fachkundige Hände zu geben. Also telefonierte ich herum um eine Vogelauffangstation o. ä. zu finden. Es gelang zunächst auch - unser kleiner Freund sollte in den Wildpark Eekholt übergeben werden. Aber nach einem weiteren Telefonat mit dem zuständigen Pfleger, lehnte dieser die Übernahme ab. Er könne die stündliche Fütterung von früh bis spät nicht gewährleisten und so würden Kleinvögel ihm erfahrungsgemäß unter den Händen wegsterben. Er fragte, ob wir nicht einen Rentner finden könnten, der Spaß an der Handaufzucht haben würde.


Ich suchte weiter, wollte den Kleinen unbedingt in erfahrene Hände geben; aber ich musste am Ende aufgeben. Allerdings konnte ich mich wenigstens an mehreren Stellen schlau machen. Rüdiger Becker vom Naturkundemuseum Berlin, der selbst schon einige Mauersegler erfolgreich aufgezogen hat und ein
Forschungsprojekt von 2003-2008 durchführt (hier geht es zum Projekt bzw. zur Webcam) unterstützte mich telefonisch und via Email sehr und gab mir die nötige Sicherheit. Er sorgte dafür, dass ich innere Ruhe für die Pflege des Tiere fand. U. a. schaute er sich sich die von mir zugesandten Bilder unseres Gastes an und schätzte, dass der Kleine etwa am 27./28.07.2003 flügge sein könnte.  

22.07.2003
Juhu, der Mauersegler pickt selbst das Futter aus der Hand  und hat 2 Gramm an einem Tag zugenommen. 

    
Schöne Brosche - Das Futter scheint ihm zu schmecken

Am dritten Tag merkten wir, dass unser Mauersegler sich an uns gewöhnte. Er zeigte sich zutraulicher und hungrig, schaute neugierig aus seinem Karton, wenn wir vorbeigingen, schlief zwischendurch in der abgedeckten dunklen Hälfte des Kartons, kletterte die Rampe auf und ab, putzte sich und trainierte in Abständen emsig seine Flügel. Zu den Fütterungszeiten konnte er es kaum abwarten. Gierig zwickte er sofort in die Finger, wenn sich die Hand dem Schnabel näherte. Er hatte die neue Familie wohl akzeptiert. 


38 Gramm Lebendgewicht


Übungen


Samstag, d. 24.07.2004
Gewicht: zwischen 44-48 Gramm

Das Vertrauen wächst von Tag zu Tag. Mittlerweile schaute sich unser Apus Apus interessiert in der Gegend um, wobei seine Blicke ganz deutlich umherfliegenden Insekten und Vögeln folgten.Er fraß zwar nicht mehr so viel; aber das musste er auch nicht; denn die als günstig für den Abflug angegebenen 40 g hatte er weit überschritten. Außerdem verweigern Mauersegler kurz vor dem Ausflug gern die Nahrung und specken wieder etwas ab, was ein deutliches Zeichen für den bevorstehenden ersten Ausflug ist. Doch so weit war unser Baby noch nicht; Federhülsen an den Schwungfedern machen ihn ja noch fluguntauglich. Weitere Freilassungsversuche erübrigten sich schon deshalb.

Abends feierte Hans, das zweitälteste Vereinsmitglied im Musikkorps Rendsburg seinen 75. Geburtstag, zu dem der Verein natürlich ein Ständchen bringen musste. Da wir mit Hans auch verwandt sind, sollten wir auf dem Aschberg den Anlass mitfeiern, also musste auch unser kleiner Gast im Auto mitreisen. Mehrere Stunden ohne Futter wollten wir ihm nicht zumuten. Als wir ankamen, war es zunächst schwierig einen schattigen Parkplatz zu finden, der auch noch weit genug von unserer Musik enfernt sein musste, um den Kleinen nicht zu erschrecken. Der Mauersegler sollte auch zwischen den Fütterungszeiten im Auto bleiben. Verrauchte Gaststättenluft und Krach sollte er nicht abbekommen.
 
Der Jubilar mit Gästen - Gratulation und Blumen von Saskia und Maskottchen Laura (5)

Aber natürlich blieb nicht aus, dass ich den Mauersegler nach einer Fütterung an diesem Abend auch vorzeigen musste. Zum einen interessierten sich die Vereinskinder beim Treffpunkt dafür und dann ist Hans ein begeisterter Natur- und Tieranhänger, der seit Jahrzehnten selbst Störche auf seinem Dach (alter Meiereischornstein) hat. Z. T. musste zweimal ein Storch über den  Winter gebracht werden.

Unser Apus nahm seine Präsentation ganz gelassen. Die Vereinskinder musste ich zwar ausbremsen, weil die Kinder den Kleinen am liebsten geknuddelt hätten. Die ältere Generation wusste natürlich, dass man so ein Tierchen nicht herumreicht. Also drehte ich mit Apus bei seiner zweiten Vorführung an meiner Bluse hängend nur eine Ehrenrunde durch den Saal. Hansi, Saskia und Ich konnten bei diesem Anlass das neu erworbene Wissen an ca. 10 sehr interessierte Personen weitergeben. Und da diese wiederum mit den anderen darüber sprachen, musste ich Apus noch einmal herausholen, damit auch der Gastwirt einen Blick auf ihn werfen konnte. Apus überstand alles unbeschadet und gab sich überhaupt nicht anders als sonst.

Sonntag, d. 25.07.2004
Der Kleine wiegt 44-46 Gramm, ansonsten unverändert

Bei einem Telefonat mit der Vorsitzenden der   Deutschen Gesellschaft für Mauersegler e. V. ,C. Haupt erfuhren wir, dass eine freie Wiese doch keine günstige Stelle zum Freilassen eines Mauerseglers ist, da dort zunehmend sein Feind, der Falke, nach Beute Ausschau hält und gerne blitzschnell zuschlägt, wenn Jungvögel beim ersten Flug nur mühsam Höhe gewinnen. Daher schauten wir uns vorsorglich nach einem anderen geeigneten Platz um.  Der beste Startort soll eine Straße sein, in der günstigenfalls eine Mauerseglerkolonie zu finden ist. Das begründete Frau Haupt wie folgt: 

Wenn der junge Mauersegler beim Freilassungsversuch Artgenossen am Himmel sieht, wird er mit etwas Glück animiert, fliegt leichter los und kann im Schutz der Häuser hochsteigen. Die Artgenossen erblicken die aufsteigenden Jungvögel meistens schnell und kommen herunter, um sie in ihre Obhut zu nehmen und zu beschützen. Natürlich gefiel uns der Gedanke daran, dass ein Raubvogel daherkommt und unseren Kleinen, den wir mühselig aber liebevoll aufpäppelten,  zu schlagen und zu fressen, nachdem uns der Zögling so ans Herz gewachsen war, überhaupt nicht. Das wäre schlimmes Erlebnis!!! Übrigens ist der einzige natürliche Feind des Mauerseglers der Falke, der zwar etwas feige ist aber dafür aus dem Hinterhalt zuschlägt. Er fliegt höher und ist schneller als ein Mauersegler und jagt feige. Er vermeidet Verletzungen, indem er hinterhältig schwächere Einzelflieger ins Visier nimmt, stößt dann aus dem Hinterhalt herab um der Beute erstmal einen heftigen Schlag mit der Krallen zu geben. Wenn sie dann - davon verletzt und ziemlich hilflos geworden ist und taumelt, packt er sie erst.

Aber zur Information für jeden Zweifler: Der übliche menschliche Beschützerinstinkt, einenVogel dieser Art zu behalten, wäre nicht angebracht: Abgesehen davon, dass Wildvögel generell in die Natur zurück gehören, hat ein Mauersegler in Gefangenschaft überhaupt keine Überlebenschance, sondern würde verkrüppeln. Mit seinen - an ein Leben in der Luft angepassten und sehr krummen - Füßen und Beinen kann man ihn in Gefangenschaft nicht gesund am Leben erhalten. Er muss in die Luft aufsteigen; sobald er fliegen kann und will, auch wenn es aus irgendwelchen Gründen bei Schnee und Eis der Fall ist. Es gibt keine andere Alternative für den Mauersegler. 

Fakten sind nunmal, dass kein Zoo dieser Welt einem Mauersegler den Platz geben kann, den er für ein gesundes Leben braucht. Immerhin fliegt er pro Jahr 190.000 km bzw. in seinen bis zu über 20 Lebensjahren bummelig 3,8 mill. km oder ca. 100 mal um den Äquator. Er kann nicht auf der Stange oder am Boden leben, sondern lebt und fliegt fast ausschließlich in der Luft - Tag und Nacht. Er frisst, paart sich und schläft sogar dort. Mauersegler klammern sich nur kurz an Felsen, Hauswänden o. ä. in großer Höhe fest, um nach Nisthöhlen zu suchen. Richtig gelandet wird nur, wenn Junge aufgezogen werden.

Wir haben nachgelesen, dass ein Mauersegler bis zu drei Jahre ununterbrochen in der Luft bleiben kann. Jungvögel tun es sowieso 2 Jahre lang, bis sie geschlechtsreif sind. Bilder, die wir von falschem menschlichen Mitleid im Internet fanden, waren mehr als nur grausam zu betrachten. Es waren z. T. verkrüppelte Mauersegler zu sehen, die nur für einen Winter in Gefangenschaft waren.

Der Mauersegler muss raus, auch wenn er erst fliegen auch, wenn alle anderen Mauersegler längst weg sind. Er findet seinen Weg in den Süden auch allein. Einzelgänger werden manchmal sogar im November gesehen. Auf jeden Fall gibt es für einen Mauersegler, der nicht fliegen kann oder darf, nur eine Alternative und das ist Einschläfern. Gefangenschaft ist für ihn ein Todesurteil, nur dass der Tod lang und schmerzhaft ausfallen würde. Da ist es sogar besser, wenn ein Falke in schlägt, so traurig das auch für Menschenohren klingen mag.

 

27.07.2004

Apus apus braucht doch noch ein paar Tage länger
:-( oder :-D

Tja, so ist das: Man weiß nie, wie alt so ein Vogel ist, wenn er aus dem Nest fällt. Das ist auch immer abhängig davon, wie gut oder schlecht er von den Eltern genährt wurde. Anhand der neuesten Fotos wurde unser Apus von Rüdiger Becker vom Naturkundemuseum Berlin heute auf ca. 37 Tage geschätzt. Er braucht also noch etwa 5 Tage, bis seine Blutkiele an den Schwungfedern verhornt sind. Das heißt, dass ein Teil der Schwungfedern noch in den Federhülsen steckt, aus denen sie wachsen. Bevor diese Hülsen nicht völlig verschwunden sind, sind auch die Federn nicht fertig und der Piepmatz kann nicht fliegen, weil die Flügel luftdurchlässig sind. Das hätte der Tierarzt eigentlich auch sehen und wissen müssen. Aber obwohl er noch nicht abheben kann, trainiert Apus fleißig seine Flugmuskulatur. 

Sein Gewicht zwischen 44 und 46g hält unser Zögling noch; aber er frass heute weniger oder verweigerte das Futter sogar ganz. Das ist für uns Menschen ein beängstigendes Gefühl; aber für ein Mauerseglerjunges ist das normal. Vor dem ersten Start muss es ein bisschen abspecken um den Körper beim ersten Flug zwei bis drei Jahre in der Luft von den Flügeln tragen zu können. Da oben gibt es dann ja auch Insekten in Hülle und Fülle, weil kein Tier den Mauerseglern die Nahrung streitig macht. Ein  Gutes hatte die Freßunlust außerdem: Hansi brauchte nicht mehr so viele Heimchen töten und weniger Beine und Fühler von dem Krabbelzeug abdrehen.

Nach neuester Schätzung, die anhand unserer Informationen und Bildern von Rüdiger Becker vom Naturkundemuseum Berlin kam, war unser Apus nun ca. 37-38 Tage alt. Und so freuten wir uns darauf ihm evtl. am nächsten Wochenende die Freiheit schenken zu können. Aus der Kiste wollter er jedenfalls schon heraus. 
    
Immer brennender interessierte er sich auch für den Himmel bzw. umherfliegende Insekten und Vögel. Es war zwar nicht einfach sich an den Gedanken zu gewöhnen den Kleinen herzugeben um ihn nie wiederzusehen. Aber da es nunmal notwendig ist, fingen wir an zu hoffen, dass er dann wenigstens möglichst schnell soweit ist und er beim ersten mal fliegt und nicht - wie es manchmal vorkommt erst beim
zehnten mal.

  

Ein Wunder der Natur bereitet sich auf das Leben in und über den Wolken vor.

Übrigens ist der Mauersegler ein sehr sauberer Vogel. Apusses Übungsrampe blieb komplett sauber von Kot, weil der Vogel stets rückwärts krabbelnd den Schwanz über die Kante hängt und in der Regel nur in eine Richtung schießt, als ob da eine Kloschüssel wäre. Da ich die obersten Schichten der dicken Lage Küchenrolle am Boden immer in Schnippsel riss, war der Karton gut sauberzuhalten. Ich musste nur die beschmutzten Schnippsel heraussammeln. In diesem Zusammenhang konnten wir nachlesen; dass Mauersegler nicht einmal die Häuser beschmutzen, in denen sie brüten. Der Jungvogel macht seinen "Schiet" außerhalb des Nestes in der Nisthöhle. Die Altvögel tragen ihn in Abständen aus dem Nest und entsorgen ihn anderenorts.

 
Eine witzige Episode kam heute auch zustande. Nach dem Füttern setzte ich Apus stets auf ein Handtuch auf der Rückenlehne unserer Couch, um mir den kleinen Gast genauer ansehen zu können. Da er sich nach dem Fressen gern sportlich betätigte, krabbelte er hoch. Dabei landete er heute höher als sonst und entdeckte einen Frotteehasen, der dort oben auf der Rückenlehne saß. Für einen sonst recht träge vorwärtskommenden Mauersegler  krabbelte Apus plötzlich blitzschnell hin und drehte völlig auf dem Teller. Er piepste laut und bettelte mit seinem Schnabel wie verrückt das Häschen an, obgleich er eigentlich gerade gefüttert hatte und satt war.

28.07.2004
   
Morgens um 7:00 Uhr vorm wiegen (44g) und nachmittags.
  
  

Apus apus war nun etwas über 15 cm lang, sein Gewicht blieb stabil und er zeigte sich weiterhin putzmunter.

 
Zu gerne lag er in seiner Kiste auf dem Bauch, flatterte, machte seine Liegestützen mit den Flügeln, streckte den Schwanz in die Höhe und versuchte das Gleichgewicht auf den krummen Beinen zu halten. Manchmal kam es uns vor, als ob er ausbrechen wolle; aber es war nur das für einen Mauersegler übliche Flugtraining .
           
Anfangs waren wir manchmal ganz schön in Sorge um unseren Apus, wenn er seine Übungen machte. Bei einem Menschen, der sich ähnlich bewegt, würde man auf Krampfanfälle tippen und sofort den Notarzt rufen.

Die Übungen des Mauerseglers häuften sich von Tag zu Tag und sahen immer extremer aus. Die wackeligen "Krüppelfüße" sorgten für schlechten Halt bei den Übungen, und dementsprechend wackelte der Vogel auch beim Flattern, drehte sich teilweise auf der Stelle im Kreis um dann urplötzlich langzuliegen und mit weit ausgespreizten Flügeln am ganzen Körper zu vibrieren und seinen Körper in Abständen auch noch eigenartig zu verbiegen, als wenn ihm etwas wehtut.  Aber wir hatten uns erkundigt: Alles lag im Normalbereich. Je mehr wir Apus bei seinen Übungen zusahen, desto mehr wuchs im Lauf der Zeit auch unser Verständnis für das wunderbare Schau- und Muskelspiel, das Apus uns täglich bot. Uns wurde mit der Zeit klar, warum er so heftig trainierte:

Wer sein Leben lang mit z. T. weit über 100 km/hdurch die Luft saust, der muss alle Muskeln genau kennen, beherrschen und anwenden können, um allen Hindernissen und Gefahren wendig und blitzschnell ausweichen zu können.      

Am Abend mussten wir unseren liebgewonnenen Freund wieder zu unseren Vereinsproben mitnehmen. Im Laufe des Abends
suchten nicht nur wir sondern auch unsere Mitglieder den Himmel ab, und lernten die Mauersegler von Schwalben und anderen Vögeln zu unterscheiden. So konnte das Musikkorps Rendsburg neben Musik und dem sonstigen Vereinsaufgaben ausnahmsweise auch mal etwas Vogelkunde und einen Hang zur Natur vermitteln.  :-D Auch ein Kosenamen wurde dem Mauersegler von den Kindern verpasst: Hugo Bertha sollte er heißen, weil auf die brennende Frage, ob es Männchen oder Weibchen ist, keine Antwort gegeben werden konnte.

Wie bei den zwei vorausgegangenen Zusammenkünften mit Apus waren die Kinder etwas enttäuscht, dass sie ihn nicht in die Hand bekamen. Aber sie fanden sich damit ab, dass ein Blick und ein sanftes Berühren am Kinn genug sein musste, nachdem wir ihnen erklärten, dass es eine Überbelastung für den Vogel wäre und dass die Federn beschädigt werden könnten, wenn man ihn von Hand zu Hand gibt. Zu diesem Punkt hatten wir nämlich auch Hinweise im Internet gefunden:

Schweißige Hände können einen Schaden am Federkleid anrichten, der nicht wiedergutzumachen ist, weil schadhafte Federn dem Mauersegler in der Natur das Leben kosten.

Also musste auch bei der Vereinszusammenkunft 5 -10 Min. Schauen nach der Fütterungszeit reichen.
Danach wurde der Kleine weit vom Geschehen entfernt wieder in die Kiste gesetzt.

Als ich unseren Zögling in den Pausen auf dem Schulhof fütterte, sah ich über der Altstadtschule nebenan in großer Höhe ein paar Mauersegler fliegen. Scheinbar erblickten sie den Kleinen in meiner Hand; denn sie sammelten sich, wurden immer mehr, kamen dichter und tiefer, und kreisten dann eine ganze zeitlang über mir.  Leider hatte ich den Fotoapparat nicht griffbereit. Aber nun wollten wir es wissen. Frau Haupt von der Mauerseglergesellschaft hatte uns ja gesagt, dass so etwas beim Freilassungsversuch passiert. Also fuhren wir nach dem Proben noch zum Schlossplatz, den wir uns zwischenzeitlich als günstigten Abflugort ausgeguckt hatten. Und tatsächlich - die dort angesiedelte Mauerseglerkolonie flog in luftiger Höhe über dem Platz, der genau zwischen Eider und Stadtsee liegt. Kaum stieg ich mit Apus aus dem Auto, kamen die Artgenossen näher und tiefer. Ihr Kreischen war mehr als deutlich zu hören. Nun konnten wir auch die hier abgebildeten Fotos schießen; denn aus den kleinen flitzenden Punkten am Himmel wurde zumindest im Einzelfall wenigstens eine Silhouette. 

Am Abend unterhielten wir uns darüber, wie unglaublich es ist, dass unser Apus nur wenige Tage später dort mitfliegen und dann seinen Flug nach Südafrika antreten würde, wo er derzeit mehr oder weniger hilflos in seiner Kiste lag. 


29.07.2004
 
Apus apus war auch heute quietschfidel, das Fressen wurde weniger, das Gewicht schien sich auf 44g einzupendeln. Pro Mahlzeit nahm er etwa 2g zu sich - wenn auch ziemlich schleppend. Statt zu fressen, piepste er nun viel, wenn wir ihn nahmen, und versuchte wie in der Anfangszeit meinen Finger zu fassen zu kriegen. Ein merkwürdiges Verhalten - gerade so, als ob er sagen wollte: "Ich fliege jetzt bald und brauche noch ein bisschen Nestwärme und Mutterliebe." Auf der anderen Seite war er aber auch verhältnismäßig unruhig und wollte schnell von der Hand runter. Einige Male musste ich aufpassen, dass er mir nicht in den Ärmel kroch. Einmal gelang es ihm nämlich und es war sehr schwierig ihn wieder herauszuholen, da er sich festgekrallte. Ich hatte eine ziemliche Angst um sein Federkleid, als ich ihn gegen den Strich wieder herausziehen musste. Umso mehr passte ich dann auf, dass er nicht mehr reinkrabbelte.

Hansi wunderte sich zwischenzeitlich darüber, dass ihn  seit ein paar Tagen immer wieder Kopfschmerzen plagten. Ich schmunzelte nur und fragte ihn, ob es wohl daran liegen könne, dass er seit ein paar Tagen jeden Abend vom Balkon aus und dabei weit über dem Geländer raushängend und den Kopf nach oben drehend in den Himmel starrte um Mauersegler zu beobachten. Neben dem "Ab-und-Zu-nach-oben-gucken" stand er nämlich Abend für Abend um 21 Uhr draußen, weil gegen 21:10 Uhr ziemlich weit oben am Himmel ca. 20 Mauersegler zu sehen waren -  kaum zu erkennen. Sie hielten sich dort eine Weile im Schwarm auf und schraubten sich immer höher, bis sie gegen 21:30 Uhr mit unseren Augen nicht mehr auszumachen waren. Vielleicht sollte Hansi sich ein Fernglas zulegen oder sich bei diesen Beobachtungen lieber eine Gartenliege auf den Rasen stellen. Solche Körper- und Genickverrenkungen müssen ja zu Kopfschmerzen führen *grins*

30.07.2004

In der Frühe vor dem Füttern: Apus wiegt 44 Gramm

 
Zeit zum Klettern in die helle Hälfte - Flugtraining - ausruhen auf der kuscheligen Frottee-Übungsrampe


In der Lieblingsecke: "Hmmmmm, eine Fliege - hoffentlich kann ich die bald selbst fangen."

 
Ich übe mal `ne Runde - linker Flügel raus - rechter Flügel raus


"Klappt noch nicht, also ausruhen für den Start und Abstieg in die dunkle Hälfte des Kartons."

31.07.2004

Im Großen und Ganzen gab es keine Veränderungen, außer dass Apus apus ziemlich wenig fraß und das Gewicht nun zwischen 43 und 44 Gramm lag. Ansonsten flatterte und trainierte er weiterhin in seiner Kiste. Die Federhülsen waren immer noch nicht verschwunden. Wir fürchteten fast, dass es noch ein paar Tage dauern würde, bis wir Apus starten lassen konnten. Aber wir wussten es nicht genau: Wir waren schließlich keine Fachleute. Also mussten wir weiter abwarten! Hier ein paar Bilder des heutigen Tages. Und ein paar Angaben zur Größe unseres Zöglings.


Auf diesem Bild krallte Apus apus sich ganz fest an meinem Daumen fest - autsch! Was für spitze Krallen, was für eine Kraft darin? Außerdem schauten die Krallen jetzt viel öfter hervor, und man konnte besser sehen, dass Apus seine Beine tatsächlich fast zu nichts gebrauchen kann.

Wenn man sich vorstellt, dass "Beine und Krallen" eines Mauerseglers die "Arme und Beine" sind, dann  ähnelt das Vorwärtskrabbeln von einem Apus dem Robben von Menschen auf den Ellenbogen, wobei die Handgelenke auch noch steif nach unten gebogen sind. Beim Vorwärtskommen muss der Apus seine Flügel benutzen, was man mit einem Kleinkind vergleichen kann, dass mit Stützrädern Fahrrad fährt um das Gleichgewicht zu halten.

Auf den folgenden Bildern kann man eine Kralle einigermaßen erkennen:

      
Wir mussten Apus doch glatt noch die "Wohnung" neu einrichten. Die alte Rampe war etwas kurz für ihn geworden, so dass seine Flügelenden beim Hochkantsitzen am Boden auflagen und die Spitzen der Schwungfedern leicht zu zersausen anfingen. In diesem Punkt war ich akribisch, da schaute ich mehrmals täglich genau nach dem Rechten und strich jede Unebenheit und jeden Fussel vorsichtig aus dem Federkleid. Das Rampenproblem konnte aber schnell gelöst werden, der kleine Karton wurde einfach umgedreht, so dass Apus nun etwas höher krabbeln konnte, was er auch tat.  

      
Schwungfedern wie Messer; aber schreckliche Beine. Viel höher wird Apus auch in Zukunft nicht vom Untergrund aufstehen können. Wenn er mal am Boden landen sollte, ist ein Start in die Luft fast unmöglich für ihn. Er kann den Start dann nur unter günstigen Umständen (Möglichkeit auf eine Erhebung zu krabbeln um Aufwind bekommen zu können) oder mit großem Kraftaufwand zu bewerkstelligen. Daher ist ein Mauersegler am Boden so gut wie immer in Bedrängnis, wenn er keine menschliche Hilfe bekommt. Da spielt das Alter gar keine Rolle. Apus ist eben ein Vogel, der von der Natur komplett für ein Leben in der Luft ausgerüstet ist. Dafür braucht er keine Lauf- oder Springbeine.

Flugtraining

40 cm Flügelspannweite sollen es mal werden - nah dran ist er wohl, wenn er die Flügel ganz spreizt.

Beim Training hob Apus heute ein klein wenig ab, und drehte sich unbeabsichtigt auf der Stelle.

Eindrücke vom Flugtraining
      

      

Beim Schießesn des rechten und folgenden Bildes flattert Apus nicht, sondern zeigte uns sein herrliches Muskelspiel. Er lag am Boden und drückte mit aller Kraft und vibrierendem Körper mit seinen Flügeln den Körper hoch. Auf den Bildern handelte es sich um Kopf und Schwanzteil; aber zwischen diesen Übungen wird auch der Rumpf noch hochgestemmt.

 

       

1. August 2004

 
Apus apus wog morgens gut 42 Gramm

 
Der Tag des Abflugs musste doch bald kommen. Nun wurde ich nervös, dass Apus vielleicht wieder unter die 40-Gramm Marke kommen würde, die er für den Ausflug benötigte. Apus maß jetzt von Schnabelspitze bis Schwanzende 16 cm,  und wenn ich die Flügel hinzurechnete (natürlich ohne daran zu richten), waren es etwa 18-19 cm. Der Rest der Federhülsen war nach Augenmaß noch mit etwa 1/2 - 1 cm zu sehen, wenn ich die darüber liegenden Federn hochpustete. Also konnte Apus wohl immer noch nicht fliegen. Im Lauf des Tages fraß er zwar noch ein bisschen, schnappte die Heimchen aber auch immer öfter um sie einfach beiseite zu schmeißen.

 
Nach der zweiten Mahlzeit wog Apus apus wieder 44 Gramm (man muss dazu sagen, dass unsere Waage nur in 2 Gramm Schritten wiegt, also gingen wir von 43 Gramm Gewicht aus.)

    
Endlich wusste ich auch, an wen mich Apus apus erinnerte: *grins* hat ja lange genug gedauert:
 
a) an Micky Maus, wenn er uns anschaute (linkes Bild oben - es fehlten nur die Ohren)
b) von der Seite an einen Delphin, wenn er den Schnabel zum Piepsen leicht öffnete ( linkes Bild unten - der gekrümmte Schnabel und die breite Mundspalte bis unter die Augen )

  

 Da es diese Tage recht warm war, vermied ich es möglichst Apus apus in die Hand zu nehmen. Aber er wollte es beim Füttern partout kuschelig haben, sonst nahm er gar nichts zu sich. Daher setze ich ihn auf eine Zeitung, über die ich noch Küchenrolle legte, und zur Stütze für Apus setzte ich neben ihn das Plüschtier, welches er ein paar Tage zuvor angebettelt hatte. Das gefiel ihm offensichtlich; denn nun wollte er plötzlich wieder von selbst etwas fressen und bettelte erneut wie ein Irrer das Plüschtier an, so dass ich ihm die Heimchen ohne Mühe einfach so in den sich öffnenden Schnabel schieben konnte. Er schnappte und schluckte es auch sofort herunter. 

Allerdings zeigte uns Apus nun auch, dass er langsam höher hinaus wollte. Zum ersten mal trainierte er sogar  während des Fütterns außerhalb seiner Kiste. Dazu bestieg er das Plüschtier - unglaublich. Erst erschreckte ich mich und nahm ihn runter; aber er wehrte sich dagegen und krabbelte immer wieder hin, sobald ich ihn absetzte. Als er dann auch noch unverhofft anfing zu flattern, merkte ich erst, was er wollte und so ließ ich ihn. Hansi kam dazu, und ich konnte schnell den Fotoapparat greifen und ein Paar Schnappschüsse vom dieser Aktion machen.

  

   
Ein stolzer Vogel blickt aus dem Fenster in die Ferne.

Im Lauf des Tages versuchte ich das Frotteetier auszuwechseln, weil die Ohren des Hasens beim Flattern im Weg waren. Ich stellte ein schwarzes Lamm hin, welches aus dem gleichen Material war und die gleiche Größe wie der Hase. Aber obwohl es farblich sogar noch besser zum Mauersegler passte, verschmähte Apus es. Auf den Hasen reagierte er aber. Hansi meinte daraufhin, dass Apus Apus vielleicht die Ohren als Flügel seiner Mutter ansehen könnte. Zuzutrauen wäre es ihm schon.

   
 Es war mir letztendlich auch gleich, der Vogel fraß und obendrein war er mit dem braunen Plüschtier im Hintergrund auf unseren Erinnerungsfotos wesentlich besser zu sehen. 


 


 Am frühen Abend genossen wir das schöne Wetter auf dem Balkon: Wir schauten uns fliegende Mauersegler an und ich setzte Apus wie so oft auf meine Bluse. Doch er machte keinerlei Anstalten zu fliegen und ging eher in Deckung, wenn er Artgenossen sah. Aber dafür guckte er sich nicht nur interessiert nach Insekten um, die vorbeiflogen, sondern zuckte deutlich vorwärts und reagierte sogar auf die kleinsten unter ihnen z. B. Fruchtfliegen. Das gab mir die Zuversicht, dass Apus schon von der Hand springen würde, wenn die Stunde käme. Die deutliche Gier nach leckerem Lebendfutter würde ihn schon dazu bewegen.

 

02.08.2004 - Plötzlicher Abflug

Als wir heute unseren Mauersegler untersuchten, dachten wir, dass ein Startversuch evtl. zum Abend oder am nächsten Tag unternommen werden könnte. Die Federhülsen waren nicht mehr zu sehen; aber man konnte noch eine Kante fühlen. Auf der anderen Seite waren wir sehr unsicher, weil Apus Apus - nach dem, was wir über Mauersegler erfahren hatten - sein Fressen 1 - 2 Tage vorher gänzlich einstellen würde. Er fraß aber um 7:00 Uhr und um 11:30 Uhr jeweils 10 mittelgroße Heimchen, die nach wie vor Hansi zubereitete (ich ekle mich bis heute davor und hatte meine Mühe damit sie überhaupt zu verfüttern, wenngleich ich mich mit der Zeit daran gewöhnt hatte. Abgespeckt hatte Apus Apus nun auf 41 Gramm. Puh, das fanden wir etwas knapp. Vierzig Gramm musste er beim ersten Flug gern wiegen.

Bei der zweiten Mahlzeit versetzte Apus Apus uns einen gehörigen Schrecken. Wie am Tag zuvor kroch er unmittelbar während des Fütterns und dem Verzehr von 10 Heimchen plötzlich piepsend und bettelnd den Plüschhasen hinauf.

 
Doch Fressen wollte er nun nicht mehr.

 

Stattdessend absolvierte er sein Flugtraining.



Und dann krabbelte er unverhofft dem Hasen ganz auf den Kopf und hob sofort ab. Doch glücklicherweise hatte er zu wenig Auftrieb im Wohnzimmer und landete einen halben Meter weiter auf der Couch.

  
Das war für uns der Anstoss nicht einfach zu warten, bis die Kanten von den Federhülsen verschwunden sind, sondern nochmal Frau Haupt von der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler in Frankfurt anzurufen. Wir mussten ohnehin noch mit ihr klären, ob sich der Adolfsplatz für den ersten Startversuch überhaupt eignet. Diesen hatten wir zwischenzeitlich dafür ausgewählt, weil wir Apus Apus ungern im Fußgängerstrom der Innenstadt aussetzen wollten,  weil er nebenan am Gerhardsdamm gefunden wurde und weil hier sehr viele Mauersegler im Tiefflug um die Häuserecken jagten. Außerdem gab es auf dem Platz einen kleinen Hügel  bzw. und ein Kletterhaus, so dass man dem Vogel etwas mehr Luftraum für dem Absprung zubilligen konnte. Fraglich war aber die Größe des Platzes und die hohen Bäume, die ihn umsäumten.

Frau Haupt gab sich am Telefon sehr verwundert darüber, dass noch Mauersegler in Rendsburg waren, da die Frankfurter Segler schon auf dem Weg nach Südafrika waren. Ihre Meinung zum Entwicklungsstand unseres kleinen Gastes und zum Wetter (eine Mischung aus Sonne, Wolken und leichtem Wind) war kurz und bündig:

"Optimal - sofort den Start versuchen, solange noch Mauersegler da sind!"

Kurzerhand riefen Hansi und ich die beiden Retter von Apus Apus, Saskia und Jasmin, dazu, damit sie die Freilassung miterleben bzw. den Startplatz absichern und nötigenfalls Katzen o. ä. Vogeljäger verjagen konnten, die dem Kleinen bei einem Fehlstart das Leben kosten könnten. Es war ja nicht sicher, dass Apus Apus den Weg nach oben auf Anhieb schaffte. Dann setzte ich unseren Piepmatz in eine kleinere Kiste und verfrachtete ihn ins Auto. Dort nahm ich ihn in die Hand um innerlich Abschied zu nehmen. Er kuschelte sich hinein, lugte aber interessiert zwischen meinen Fingern hindurch und beobachtete durch das Schiebedach den Himmel, als ob er wüsste, was nun passieren sollte.

 
Am Adolfsplatz angekommen setzte ich Apus zum letzten mal in den Karton, ging mit ihm auf den Spielplatz  und auf den Hügel, um ihm die Freiheit zurück geben und ein Leben in der Luft. Ich holte ihn aus dem Karton und wir suchten gemeinsam den Himmel nach Mauerseglern ab, die sehr bald kamen. Auch verweilten sie sofort über dem Platz, kamen etwas tiefer und kreischten, wie wir es schon vorher erlebt hatten. Apus Apus zitterte in meiner Hand; aber er krallte sich nicht fest.
 

Ich streichelte ihn noch mal, kraulte sein Kinn, welches er mir wohlig entgegenstreckte, und hob dann meine Hände, in denen er lag, weit nach oben um auf den Abflug zu warten. So stand ich etwa fünf Minuten da. Die Passanten guckten schon, in der grünen Bluse und einsam auf dem Hügel stehend fiel ich ja auf. Saskia lachte sich fasst kaputt und erklärte mir später auch warum: "Was die Leute wohl gedacht haben? Da steht eine Frau in giftgrüner Bluse auf dem Spielplatzhügel des Adolfsplatzes streckt den Arm nach oben. Die sahen doch von weitem nicht den Vogel in der Hand. Dachten sie vielleicht: "So hoch wachsen die Kräuter?" *lach*

 Obwohl Apus Apus überhaupt keine Anzeichen von Angst zeigte, sondern wie gewohnt auf der Hand saß, tat sich nichts. Plötzlich merkte ich einen Windzug von hinten und da schoss mir in den Kopf, dass ein Mauersegler gegen den Wind startet. So etwas Dummes aber auch. Die Arme waren schon lahm und die Mauersegler am Himmel wurden weniger. Trotzdem wechselte ich die Seite und stellte mich gegenüber auf die Eingangsrampe des Spielhauses. Das hatte den Vorteil, dass ich meinen Arm beim zweiten Startversuch abstützen konnte *grins*

Die Mauersegler sammelten sich wieder und rauschten in Abständen dicht über die Bäume hinweg. Einzelne von ihnen kreischten auch, als wenn sie Apus locken wollten. Es ging dann alles verdammt schnell. Ich erwartete eigentlich, dass Apus Apus erstmal seine Flügel spreizen oder sonst irgendwelche körperliche Anspannung zeigen würde. Aber stattdessen schüttelte er sich nur ganz kurz, um mir einen Haufen in die Hand zu setzen, zögerte nur eine Sekunde und sprang. In Windeseile flog er über den Platz, zwischen den Bäumen hindurch und in die nächste Straße hinein, als ober in seinem Leben nichts anderes getan hätte.

Da wir ihn dabei aus den Augen verloren, schauten wir uns sicherheitshalber gleich darauf genau um, ob irgendwo ein abgestürzter Mauersegler lag. Doch das hätten wir uns sparen können. Also schauten wir in den Himmel und beobachteten die über uns fliegenden Mauersegler eine Weile.


Ein Dreiergespann sauste zwischen den Häusern durch und drüber weg und kam immer wieder an uns vorbei, wobei nur einer von ihnen laut piepste. Uns fiel auf, dass einer von ihnen auch nicht zwischen den Häusern durchjagte, sondern vorher abbog. Wir bildeten uns daher ein, dass dieser Mauersegler unser Apus Apus sein musste, der uns laut piepsend "ADIEU" sagte. Ob dem so ist, wissen wir natürlich nicht; aber wir schossen noch ein paar Bilder. Ich stand wohl etwas traurig da mit meiner grünen von Apus apus weißbeklecksten Bluse.


Die Segler gingen dann langsam höher und wurden immer mehr, so dass es kaum noch Sinn machte stehenzubleiben. Die Leute schauten uns schon an und wir würden unseren Apus Apus nicht von den anderen Mauerseglern unterscheiden können.


Abends schauten wir mit besonderem Interesse auf die Mauersegler über unserem Haus.


Ab heute musste wohl auch unser Apus dabei sein, um mit seinen Artgenossen die Nacht in 2000-3000 Meter Höhe zu verbringen. Es ist unglaublich; aber man vermutet, dass die Mauersegler,  ähnlich schlafen wie Delphine und Wale, damit sie nicht abstürzen. Letztere würden ertrinken, wenn ihre Gehirnhälften beim Schlafen nicht abwechselnd dafür Sorge tragen, dass das Tier zum Atmen an die Oberfläche schwimmt, und Apus muss auch ähnlich ausgerüstet sein; denn er würde sonst abstürzen.  

Wir können nun für Apus apus nichts mehr tun, er muss auf sich selbst aufpassen. Wir können nur hoffen, dass wir ihm alles mit auf den Weg gegeben haben, was er zum Überleben braucht, damit er in Kürze mit seinen Artgenossen, unter denen auch Eltern und evtl. Geschwister sein dürften, nach Südafrika ziehen und die nächsten Jahre in der Luft verbringen. 

Zum Tränen vergießen kamen wir nicht; aber ein bisschen Wehmut war dabei. Wir werden unseren Apus Apus - wenn überhaupt - nur noch als einen von vielen Punkten am Himmel wiedersehen aber ihn nicht mehr als unseren Mauersegler erkennen.  Auch ist es unwahrscheinlich, dass wir jemals wieder einen Mauersegler so nah betrachten und obendrein befühlen können. Doch trotzdem sind wir glücklich diesem kleinen Kerl geholfen und aufgepäppelt zu haben, nachdem er aus dem Nest fiel oder wegen Hitze oder Nahrungsnot vielleich sprang, weil seine Eltern evtl.  Wetterflucht begangen und ihn bei schwüler Hitze allein lassen mussten. Laut Internetrecherchen können Mauerseglerjunge bis zu einem Monat ohne Nahrung überleben; aber es wurde auch beobachtet, dass sie bei Hitze aus dem Nest springen.

Am 2. August 2004 um etwa 12:30 Uhr nahmen wir endgültig Abschied von Apus apus:

"Leb wohl kleiner Freund - pass auf Dich auf und komm nächstes Jahr heil zurück nach Rendsburg!

Wir werden dich, dein Piepsen, dein Flattern, dein Kinn-entgegenstrecken und deinen Micky Maus Blick vermissen.

Vielleicht bleibst du in derselben Mauerseglerkolonie und erinnerst eich im nächsten Jahr an die Töne unserer Musik. Vielleicht bist du dann einer der Mauersegler, die während unserer Proben über dem Schulhof ihre Flugkünste zeigen. Schön wäre es; aber die Haupsache ist: Bleib gesund und werde alt!"

5. August 2004
Endgültiger Abschied?
Am Abend des Abflugtages fuhren wir nochmal zum Adolfsplatz, um nach dem rechten zu sehen: Hansi meinte, das wäre besser. Der Himmel schien im ersten Moment leer zu sein. Wir waren völlig perplex. Aber dann sahen wir doch ein paar Mauersegler über uns; aber es war nicht mehr die Menge, die am Mittag noch da war. Am Gerhardsteich verweilten wir etwa 5 Minuten. Da fiel uns wieder ein Dreiergespann auf, das in unserer Nähe blieb und seine Spielchen trieb, während der Rest sich weiter entfernte. Naja, das war wohl reiner Zufall; doch wer weiß das schon?

Uns interessierte aber brennend, ob sich auch die Anzahl Mauersegler in anderen Ecken von Rendsburg schon so dezimiert hat und machten die Runde, die wir zuvor fast jeden Tag abfuhren, als wir nach einem geeigneten Startplatz für Apus Apus suchten. Überall war es das Gleiche: Es waren noch viele Mauersegler da; aber der Löwenanteil schien schon abgereist zu sein.

Abends setzte ich mich an den PC um ein bisschen Vereinsarbeit aufzuarbeiten. Apus Apus hatte mir ja einiges an Zeitaufwand abverlangt, so dass das eine oder andere liegengeblieben war. Hansi saß derweilen auf dem Balkon, um sich von seinem Arbeitstag in der Krankenpflege auszuruhen. Aber das wurde nichts. Gegen 19:30 Uhr rief er mich ganz aufgeregt zu sich und zeigte mir einen einzelnen Mauersegler, der ganz nahe zwischen Kirche und unserem Haus ein paar mal hin und her sauste. Einen Augenblick später gesellten sich zwei weitere Mauersegler hinzu.

Das war nun wirklich ein komisches Gefühl. Hatten wir doch in den letzten zwei Wochen genau den Himmel über unserem Balkon beobachtet. Und außer der zwischen 21:10 und 21:30 Uhr über uns aufsteigenden größeren Menge an Mauerseglern hatten wir in unserer Wohngegend noch keinen Mauersegler gesehen. Wir hatten auch ein paar mal versucht die aufsteigenden Segler zu fotografieren; aber dazu  flogen sie viel zu hoch und allzu weit weg. 

Das Gleiche beobachteten wir dann noch etwa eine Woche. Nach dem Start unseres Seglers kamen tatsächlich jeden Abend einzelne Segler so nahe vorbei, dass wir Silhoutten knipsen konnten? Das ließ uns nun doch ernsthaft darüber nachgrübeln, ob Apus Apus wohlmöglich die Nähe zu seiner Babystube sucht. Das wäre für ihn nicht sonderlich schwer; denn den Kirchturm vor unserer Nase hat er zwei Wochenlang vor dem Schnabel gehabt und von der Kolonie, in der wir ihn frei ließen, sollte man ihn auch sehen können, sobald man über den Häusern ist.  

Nach allem, was wir in dieser kurzen Zeit über Mauersegler gelernt haben, trauen wir unserem Zögling auch das noch zu. Zugvögel haben naturgemäß einen guten Orientierungssinn, und die paar hundert Meter Luftlinie vom Adolfsplatz zu uns, überwindet ein Apus apus in Sekundenschnelle. Ach, es ist doch einfach zu schade, dass wir in diesem Punkt niemals Gewissheit haben werden. Apus Apus ist eben nur noch ein Mauersegler von vielen und nicht mehr mit Gewissheit wiederzufinden.

Ebenso merkwürdige Begebenheit im Jahr 2005: 

Während wir im Jahr 2004 vor dem späten Abend nie Mauersegler in unserem Wohngebiet ausmachen konnten, fliegen ein Jahr später - kaum zu glauben aber wahr - drei Mauersegler bei uns herum, meistens am Kirchturm. Ansonsten ist es das gleiche Bild am Himmel wie im Jahr 2004. Die Mauersegler lassen sich in größerer Menge nur spätabends sehen, wenn sie sich zur Nacht in den Himmel schrauben oder in der Ferne über dem Kasernengebiet.

Sucht Apus Apus vielleicht die Nähe zu seinem menschlichen zu Hause?
Hat er vielleicht seine Geschwister gefunden und bringt sie mit?
Alles unklärt - aber über Mauesegler weiß auch niemand hundertprozentig Bescheid.
Es sind Wesen für sich; doch trotzdem muss man sie lieben. 

 

Der Mauersegler wurde vom Naturschutzbund zum Vogel des Jahres 2003 gekürt: Hier finden Sie Links zu Seiten, die sich mit Mauerseglern, deren Schutz, deren Aufzucht befassen und behilflich sind bei der Schaffung von Nistplätzen. Der größte Teil der Seiten befasst sich auch mit anderen interessanten Themen des Natur und Artenschutzes.

Verantwortlich für die Inhalte der durch Links erreichten Seiten sind ausschließlich die Autoren.
Beachten Sie dazu auch unsere Rechtshinweise

Deutsche Mauerseglergesellschaft e. V.

Naturschutzbund - NABU 

Fachkundige Hilfe zur Aufzucht von Wildvögeln- www.wildvogelhilfe.org 

Forschungsprojekt - Webcam im Nistkasten am Naturkundemuseum Berlin

Interessante Privatseite von Martin Grund über Mauersegler und Nisthilfen 



                                            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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